Interview mit Sibylle Wißmann

5 Fragen ans FrohSinn

Wie bist Du zum Stricken gekommen?

Handarbeiten und vor allem Stricken begleitet mich seit meiner Kindheit. Schon als Jugendliche habe ich einen großen Teil meines Taschengeldes in Wollläden getragen. Mit Anfang 20 habe ich dann erste Modelle für eine Boutique im Frankfurter Westend angefertigt. Der Spaß am Stricken ist bis heute geblieben: Garnqualitäten, Farben, Muster, neue Looks – es kommt ja immer was Neues dazu und wird nie langweilig.

Wann kann die Idee für den Laden, und was ist das Besondere am Frohsinn?

Es ist nicht so, dass ich mein Hobby gleich zum Beruf gemacht habe. Ich bin in der Werbung gelandet. Da diese Branche aber nur schwer mit einer Familie vereinbar ist, habe ich in der Grundschulzeit meiner Töchter über eine berufliche Neuorientierung nachgedacht: Was kann ich gut? Was mache ich gern? Wie kann ich das zusammenbringen, und wie lässt sich das mit meinem Familienalltag vereinbaren? So entstand das Konzept für das FrohSinn. Ein Ort, an dem man sich über das gemeinsame Interesse am Handarbeiten und der Freude an schönen Materialien und Mode trifft. Unsere Kundinnen und Kunden mögen das klare Raumkonzept und das Offene, leicht Zugängliche im Frohsinn – und damit meine ich nicht die übersichtlichen Regale, unsere großen Arbeitstische und die nette Sitzecke. Es ist vor allem die kreative und modisch inspirierte Atmosphäre, die bei uns geschätzt wird, und – das wird mir jedenfalls gespiegelt – die Beratung und Anleitung bei allen möglichen Strickprojekten. Darüber freue ich mich natürlich.

Vor ein paar Jahren kam Rita als Verstärkung ins FrohSinn: Was macht Euer Team aus?

Rita kam zunächst als Kundin – und konnte sich dann sozusagen nicht mehr loseisen. Auch sie kommt beruflich aus einer ganz anderen Ecke: Sie ist eigentlich Bankerin und war später selbstständig im Verkauf. Hier treffen also Erfahrungen und Denkansätze ganz unterschiedlicher Art aufeinander. Zusammen mit unserer Begeisterung für tolle Wolle sorgt das für eine Menge Kreativität. Davon profitieren auch unsere Kundinnen und Kunden: immer neue Modelle, anregende Gespräche bei unseren Stricktreffs, den Mut, auch einmal andere Formen, Farben und Materialien auszuprobieren.

 

Habt Ihr mit einem Handarbeitsladen nicht mit einem angestaubten Image zu kämpfen?

Die Zeiten, in denen Stricken als Oma-Hobby – also in etwa so anregend wie Graupensuppe – oder später als überwiegend politisches Statement verpönt war, sind ja nun schon lange vorbei. Spätestens mit Youtube oder Social Media-Plattformen wie Instagram oder Pinterest gehören Do-it-yourself-Filme und -Bilder zu den vielgeklickten Beiträgen im Netz. Es gibt etliche Communities, in denen sich über das Thema Handarbeiten ausgiebig ausgetauscht wird. Und das ist, zumindest in diesen Medien, vorwiegend Sache von jungen Leuten. Aber der Wunsch nach mehr Individualität, die Freude an schönen Materialien und der Stolz, etwas selber gemacht zu haben, gelten natürlich für jedes Alter. Das merken wir auch an unserer breit aufgestellten Kundschaft.

 

Wo holst Du Dir Deine Anregungen?

Überall. Informationen und Anregungen sind ja jederzeit verfügbar. Früher musste man lange warten, um ein-, maximal zweimal im Jahr eine Modenschau im Fernsehen schauen zu können. Heute wird jede Fashion-Show direkt im Netz gestreamt. Aber ich blättere nach wie vor auch gerne in Zeitschriften und Magazinen oder merke mir gute Looks, die ich auf der Straße sehe. Den Rest besorgen meine Töchter: Die wissen immer, was gerade hip ist.